KI im Bauwesen: THWS ConStructAI Hackathon bringt innovative Lösungen auf den Weg
[only available in German]
Über 130 Teilnehmende beim THWS ConStructAI Hackathon im CAIRO.thws: Kreative Köpfe und IT-Talente stellten sich den praxisnahen Challenges von Riedel Bau, Julius Berger International, open bydata und der THWS-Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen, während Branchen-Gäste und Interessierte die Keynote-Sessions im Center für Künstliche Intelligenz (CAIRO.thws) verfolgten.
Wie kann man mit Künstlicher Intelligenz die Baustellenlogistik optimieren, Planungsprozesse automatisieren oder die Projektkommunikation smarter gestalten? Dieser Frage gingen 90 Hackerinnen und Hacker beim interdisziplinären THWS Hackathon „ConStructAI: Bauwesen neu denken mit KI“ nach. Am Donnerstag, den 18. Juni 2026, brachte das ganztägige Event Studierende und Fachleute im CAIRO.thws in Würzburg – dem Institut unter der Leitung von Prof. Dr. Ivan Yamshchikov – zusammen, um in einem energiegeladenen Format prototypische KI-Lösungen für die Bauindustrie der Zukunft zu entwickeln.
Reale Challenges für die Bauindustrie von morgen
Im Mittelpunkt des Tages standen die zukunftsweisenden Challenges der Praxispartner, die eindrucksvoll die aktuellen Fragestellungen der Baubranche abbildeten.
Der Platinum-Partner Riedel Bau brachte gleich zwei anspruchsvolle Aufgaben ein: Die Challenge „Automatische Erkennung von Deckenaussparungen für den 3D-Betondruck“ zielte darauf ab, digitale Baupläne effizient für die additive Vorfertigung vorzubereiten. Zusätzlich widmete sich das Unternehmen mit der Aufgabenstellung „Modellierung von Turmdrehkranen im BIM-Modell“ der logistisch optimalen und kollisionsfreien Integration von Kränen in die digitale Bauplanung.
Die Julius Berger International GmbH stellte den Use Case der „KI-basierten Prüfung von Barrierefreiheit und Arbeitsplatzrichtlinien“ zur Verfügung, um 2D-Pläne und Gebäudemodelle künftig softwaregestützt auf gesetzliche Compliance-Vorgaben zu analysieren.
Bei open bydata stand indes die „Datengestützte Prognose für die Planung von Straßensanierungen“ im Fokus, mit dem Ziel, baustellenbedingte Staus und Emissionen durch smarte Vorhersagen auf Basis realer Verkehrsdaten zu minimieren.
Abgerundet wurde das vielfältige Aufgabenfeld durch die THWS-Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen, die ebenfalls zwei Herausforderungen beisteuerte: Die Challenge zur „KI-gestützten Strukturierung und Verteilung informeller Bauprojektkommunikation“ befasste sich damit, unstrukturierte Projektdaten aus E-Mails und Chats durch Künstliche Intelligenz thematisch zu ordnen, um sie nahtlos in professionelle Managementsysteme überführen zu können. Die zweite Aufgabe, „Von der Zeichnung zur Verifizierung – KI-generierte Schallschutzverifizierung“, fokussierte sich auf die Automatisierung von Schallschutznachweisen nach DIN 4109. Ziel war es, eine KI-Lösung zu konzipieren, die Raumgeometrien, Bauteile sowie Materialien anhand von Schraffurmustern und Beschriftungen direkt aus Architekturzeichnungen extrahiert. Dies soll den bisher sehr zeitaufwändigen und repetitiven manuellen Übertragungsprozess der Daten in Berechnungssoftware für Ingenieure künftig signifikant verschlanken.
Keynotes beleuchten die Zukunft von KI und Bauwesen
Parallel zur intensiven Projektarbeit der Hacker-Teams in den Räumen des CAIRO.thws konnten die anwesenden Gäste und Challenge-Geber ab dem Mittag ein abwechslungsreiches Vortragsprogramm verfolgen. Nach dem gemeinsamen Networking-Lunch gaben hochkarätige Impuls-Keynotes tiefe Einblicke in aktuelle KI-Trends, technologische Entwicklungen und die fortschreitende Digitalisierung im Bau- und Ingenieurwesen.
Den praxisnahen Blick aus dem Architekturbüro steuerte Prof. Christian Hofmann (Architekt, mayarchitekten GmbH, sowie Professor an der THWS) mit seinem Vortrag „Der ungehobene Datenschatz: Wie unstrukturierte Bauinformationen mit LLMs nutzbar werden könnten" bei. Er machte deutlich, dass die wichtigsten Projektinformationen häufig verstreut in E-Mails, WhatsApp-Verläufen, Telefonnotizen und PDF-Anhängen liegen und damit außerhalb etablierter Systeme wie CDEs oder BIM-Plattformen verbleiben. Sein Vortrag fragte, wie Large Language Models diese Lücke schließen und wie die Zukunft der Architektinnen und Architekten mit KI aussehen könnte.
In seiner Keynote „Building Intelligence: Von der 3D-Rekonstruktion bis hin zu effizienter KI für die digitale Infrastruktur" zeigte Prof. Dr. Dominik Seuß, CAIRO-Forschungsprofessor im Bereich Computer Vision, wie moderne KI-Systeme Gebäude, Infrastruktur und Industrieanlagen hochpräzise in 3D rekonstruieren und damit die Grundlage für digitale Zwillinge der nächsten Generation schaffen. Er spannte den Bogen über die gesamte Pipeline – von der Umwandlung von Bildern in 3D-Modelle über bis hin zu Modellkomprimierung und Edge-KI, die leistungsstarke Computer-Vision-Systeme auch ohne massive Recheninfrastruktur einsatzfähig machen.
Den Abschluss machte Lothar Fehn Krestas, Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (Berlin), mit seinem „Bericht zum Bauen aus Berlin – und wo uns Digitalisierung helfen kann". Er beleuchtete die Sicht des Bundes auf die nur langsam voranschreitende Digitalisierung der deutschen Baubranche und verwies auf Initiativen wie BIM Deutschland und die Forschungsförderung „Zukunft Bau".
Ergänzt wurde das Programm durch Startup-Pitch-Sessions, in denen innovative Gründungsteams ihre Lösungen für die digitale Transformation der Branche vorstellten.
Intensive Pitches
Nach einem packenden Endspurt in der Entwicklungsphase traten die Teams am späten Nachmittag vor die Jury und das Publikum, um ihre funktionierenden Prototypen in kurzen Pitches zu präsentieren. Die Bandbreite und Qualität der gezeigten Lösungen demonstrierten eindrucksvoll, wie viel Innovationskraft in der interdisziplinären Zusammenarbeit von IT, Architektur und Ingenieurwesen steckt.
Resümee und Ausblick
Dr. Rebecca Wolff von der Riedel Bau AG zeigte sich von den Ergebnissen des Tages stark beeindruckt: „Der Construction AI Hackathon hat uns wirklich begeistert. Es war spannend zu sehen, wie Menschen mit ganz unterschiedlichen fachlichen Hintergründen gemeinsam an Herausforderungen aus der Baupraxis arbeiten. Gleichzeitig sind solche Veranstaltungen eine großartige Gelegenheit, mit Studierenden ins Gespräch zu kommen, neue Perspektiven kennenzulernen und die Baubranche für zukünftige Talente erlebbar zu machen. KI und Digitalisierung sind für uns keine kurzfristigen Trends, sondern entscheidende Zukunftsthemen. Ich persönlich bin beeindruckt davon, was möglich wird, wenn Unternehmen den Mut haben, ihre Fragestellungen zu öffnen und jungen, kreativen Köpfen die Chance geben, eigene Lösungswege zu entwickeln. Die Vielfalt der Ansätze und die Geschwindigkeit, mit der Ideen entstanden sind, haben uns positiv überrascht. Wir nehmen viele neue Impulse mit und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit zwischen der Riedel Bau AG und dem CAIRO.“
Prof. Dr. Ivan Yamshchikov, Leiter des CAIRO.thws, betonte die überregionale und internationale Strahlkraft des Events: „Wir sehen CAIRO an der Technischen Hochschule als einen Ort, an dem Industrie, Wissenschaft und eine neue Generation von Talenten zusammentreffen und gemeinsam arbeiten. Hackathons spielen in diesem Prozess eine wichtige Rolle. Umso mehr freuen wir uns, dass dies unser erster internationaler Hackathon ist, der zeitgleich auch an unserer Partnerhochschule in Den Haag stattfindet. Hier vor Ort in Würzburg zählen wir insgesamt rund 130 Teilnehmer, darunter 90 Hacker, die an sechs spannenden Challenges verschiedener Industriepartner arbeiten. Ein weiteres Highlight: Es ist unser erster Hackathon, bei dem vier KI-Start-ups aus München und Stuttgart ihre Lösungen pitchen. Dass diese Gründer den Weg zu uns finden, zeigt ganz deutlich, wie attraktiv und relevant Würzburg mittlerweile im Bereich der Künstlichen Intelligenz ist. Die hiesige KI-Szene ist so stark und lebendig, dass sie gezielt Talente und innovative Köpfe aus anderen großen Metropolen anzieht.“
Ein herzlicher Dank gilt dem Platinum-Partner Riedel Bau, Julius Berger International, open bydata sowie allen weiteren Partnern und Teilnehmenden, die dieses Event zu einem vollen Erfolg gemacht haben.








