Technische Hochschule
Würzburg-Schweinfurt

Interview mit
Juan Pablo Juárez Castro

“Ich wollte mit Menschen arbeiten – und die THWS hat mir genau das ermöglicht.” Juan Pablo Juárez Castro Hochschulservice Internationales

Juan Pablo Juárez Castro ist zuständig für strategische Hochschulkooperationen mit Schwerpunkt Nordamerika und Ostasien. Im Gespräch erzählt er, wie er von Berlin nach Würzburg kam, was ihn an seiner Arbeit begeistert und warum persönliche Kontakte für ihn das Wichtigste sind.

Herr Juárez Castro, wie sind Sie an die THWS gekommen?

Ich habe früher in Berlin gelebt und in einem Chemiekonzern gearbeitet - acht Stunden am Tag vor dem Computer mit SAP. Was ich aber eigentlich wollte, war der Austausch mit Menschen. Am besten mit internationalem Bezug; denn ich hatte mich in meinem Studium auf Lateinamerika spezialisiert. Die THWS bot mir genau das: Hier sollte die Internationalisierung der Hochschule vorangetrieben werden - gerade auch in Lateinamerika und Spanien. So kam ich von Berlin nach Würzburg - und habe es nicht bereut.

Natürlich hatte ich am Anfang meine Zweifel: Wie wird das Leben in der Provinz? Aber als ich Würzburg zum ersten Mal besucht habe, hat es mir sofort gefallen. Heute möchte ich nicht mehr nach Berlin zurück.

Wie ging es dann für Sie los an der Hochschule?

Anfangs war ich wie gesagt für Lateinamerika zuständig. Ich bin dorthin gereist, habe Kontakte zu Hochschulen und Unternehmen geknüpft und Austausch- und Praktikumsplätze für unsere Studierenden organisiert, aber vor allem neue Vollzeitstudierende akquiriert. Wichtig war mir dabei, Netzwerke aufzubauen – mit Schulen, Universitäten und Firmen aus der Automobilbranche, die auch in der Region aktiv sind.

Bei all dem hatte ich die Freiheit, selbst zu entscheiden, in welche Regionen ich reise und wo ich Schwerpunkte setze. Diese Eigenständigkeit ist nicht selbstverständlich und ich schätze sie sehr.

Heute betreuen Sie Nordamerika und Ostasien.

Nach einigen Jahren hat sich mein Aufgabenbereich verändert. Jetzt bin ich für Nordamerika mit Kanada und Mexiko zuständig sowie für Ostasien mit China, Japan und Taiwan.

Ostasien ist für mich eine neue und spannende Herausforderung. Ich besuche derzeit eine Seminarreihe über China und lerne viel über die Region. Als ich den Bereich übernommen hatte, kamen gleich zwei chinesische Delegationen zu Besuch. Wir haben uns intensiv vorbereitet, uns mit dem Hintergrund und den Zielen der Gäste beschäftigt und das Programm entsprechend gestaltet. Der Austausch war sehr positiv und unser Fazit ist, dass eine künftige Kooperation mit China für uns gut vorstellbar ist.

Wie oft sind Sie unterwegs?

Nicht mehr ganz so viel wie früher, aber jedes Frühjahr bin ich etwa vier Wochen auf Reisen. Dann versuche ich, in der Region so viel wie möglich zu bewegen – Hochschulen besuchen, Unternehmen, Messen, deutsche Schulen. Ich kenne zum Beispiel alle deutschen Schulen in Lateinamerika, und die Zusammenarbeit läuft bis heute sehr gut. Viele unserer Studierenden in Schweinfurt kommen über diese Kontakte.

Durch die Kontakte zu Unternehmen wie Bosch oder ZF entstehen außerdem immer wieder neue Möglichkeiten – auch für die Mitarbeitenden dieser Firmen und deren Kinder. Sie interessieren sich häufig für unsere englischsprachigen Masterstudiengänge.

Was zeichnet die Arbeit im International Office der THWS aus?

Wir sind mit unserem Team und der entwickelten Internationalisierungsstrategie inhaltlich-strukturell hervorragend für die kommenden Jahre aufgestellt. Gerade in den vergangenen Jahren haben wir erfolgreich Projekte und damit verbundene Drittmittel eingeworben. Der Hochschulservice Internationales und die Stabstelle internationale Projekte bilden als International Office eine dynamische Einheit mit einem gewachsenen engagierten Team. Das ermöglicht uns Kontinuität in unserer Arbeit und zudem eine regionale und thematische Fokussierung. An anderen, auch größeren Hochschulen fehlen diese aktiv eingeworbenen Drittmittel oft gänzlich. Wenn ich erzähle, dass wir über Drittmittel für Dienstreisen oder Projekte verfügen, sind viele baff.

Ziel ist es im Moment, dass alle Fakultäten stärker von der Internationalisierung profitieren und eingebunden sind. Ich habe zum Beispiel eine Gruppe Studierender aus den Sozialwissenschaften nach Mexiko begleitet, wo sie Flüchtlingsunterkünfte und die Grenzregion zwischen den USA und Mexiko besuchten. Und auch unser Master Fachübersetzen profitiert inzwischen von unserer Internationalität – er hat viel Zulauf aus dem Ausland.

“Grundsätzlich ist es immer ein schönes Gefühl für mich, wenn ich jemandem helfen kann.”

Worüber haben Sie sich bei Ihrer Arbeit zuletzt besonders gefreut?

Grundsätzlich ist es immer ein schönes Gefühl für mich, wenn ich jemandem helfen kann.

Aber konkret: Bei einer internationalen Summer School in Schweinfurt hatten unsere Studierenden zusammen mit Teilnehmenden aus den USA ein kleines Fest organisiert. An diesem Abend traf ich zufällig eine Studentin wieder, die ich in Mexiko kennengelernt hatte und die später an die THWS gekommen ist. Sie erzählte mir, dass bald auch ihr Bruder bei uns studieren wird. Solche Begegnungen zeigen mir, wie wichtig persönliche Kontakte sind – Websites können das nicht ersetzen.

Was empfinden Sie als Herausforderung?

Die Digitalisierung ist ein großes Thema an der Hochschule – sie kommt zu unserer eigentlichen Arbeit noch dazu. Das ist manchmal viel, bietet aber gleichzeitig große Chancen: Sie ermöglicht uns, internationale Zusammenarbeit neu zu denken und innovative Hochschulbildung aktiv zu gestalten.

Was schätzen Sie an der THWS besonders?

Das Klima an der THWS ist sehr kollegial und offen für Diversität. 
Wir sind fast alle per du, diese familiäre Atmosphäre ist wunderbar. 
In den USA und auch Lateinamerika erlebe ich das häufig, aber in Deutschland ist ein solcher Umgang miteinander meiner Erfahrung nach nicht  selbstverständlich.

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