Technische Hochschule
Würzburg-Schweinfurt

Interview mit
Nicole Kunstreich

“Was mir die Hochschule ermöglicht hat, sehe ich als Geschenk.” Nicole Kunstreich Leitung Hochschulservice Digitalisierung

Frau Kunstreich, Sie leiten die Digitalisierung an der Hochschule. Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?

Ich fange ganz von vorne an: Mein erster Job war im Gesundheitswesen, dann habe ich das Abitur nachgeholt, an der THWS BWL studiert und bis 2019 in der freien Wirtschaft gearbeitet. Dann kam ich zur THWS – als Prozessmanagerin.

Was bedeutet das?

Es geht darum, Abläufe mit Schnittstellen, Vorlagen, Systemen und Verantwortlichkeiten zu erarbeiten, zu modellieren und am Ende für die Mitarbeitenden zu veröffentlichen. Alles muss natürlich auch regelmäßig aktualisiert werden.

Das klingt aufregend und nach viel Raum zum Gestalten.

Ja genau. Auch das ist das Reizvolle bei dieser Arbeit. Ich habe kaum Vorgaben – unser Prozessmanagement habe ich bzw. haben wir auf der grünen Wiese aufgebaut. 
Was mir die Hochschule da ermöglicht hat, sehe ich als Geschenk.

Wie kamen Sie vom Prozessmanagement zur Digitalisierung?

Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich noch weitere Aufgaben übernehmen will. Jetzt digitalisieren mein Team und ich die Verwaltung der Hochschule. Übrigens bin ich immer noch Prozessmanagerin. Die Digitalisierung kam dazu.

Hätten Sie ein Beispiel für ein Digitalisierungsprojekt?

Die Einführung eines Dokumentenmanagementsystems haben wir bereits abgeschlossen. Ein aktuelles Projekt ist das Campus Management System, in dem alle Prozesse rund um die Studierenden abgebildet sind – von der Bewerbung bis zur Exmatrikulation.

Meine beiden Jobs fließen thematisch ineinander. Um einen Prozess digitalisieren zu können, müssen wir ihn erst festlegen. Dabei begegnen uns dann oft organisatorische Lücken oder unklare Verantwortlichkeiten. Das klären wir dann alles und übertragen den Prozess ins Digitale. 

Was fordert Sie im Arbeitsalltag heraus?

Das Ressourcenthema. Wir sind eine Hochschule, die sich stark weiterentwickelt. Mit anderen Worten: Wir wollen viel, aber haben wenig. Doch Digitalisierung kostet: Software, Server, Updates, Administration. Manchmal finden wir sehr gute Lösungen, können sie aber nicht umsetzen, weil die Mittel fehlen. Das ist manchmal frustrierend.

Worüber haben Sie sich im Job zuletzt gefreut?

Der Hochschulservice Digitalisierung wurde im April 2025 ins Leben gerufen. Und ich freue mich darüber, dass ich ihn leiten darf.

Erzählen Sie uns etwas über Ihr Team?

Aktuell sind wir zu zehnt. Im neuen Jahr kommen noch zwei weitere Kollegen hinzu. Wir sitzen verteilt in kleinen Teams zusammen. Unsere Homeoffice-Regelung ist zwar großzügig, wir haben uns aber so organisiert, dass wir uns regelmäßig sehen.

Warum die Hochschule als Arbeitgeber?

Dafür gibt es viele Gründe: Man hat viele abwechslungsreiche Aufgaben, ist kommunikativ unterwegs, die Jobinhalte sind oft nicht in Stein gemeißelt, sodass man sich mit seinen Stärken gut einbringen kann. Und: Für jede Initiative, die man ergreift, ist man hier an der Hochschule dankbar. Wenn man Ergebnisse liefert. Themen gibt es genug, man muss nur offen sein und auf die Arbeit zugehen; nicht warten, dass sie an einen herangetragen wird. 

“Themen gibt es genug, man muss nur offen sein und auf die Arbeit zugehen; nicht warten, dass sie an einen herangetragen wird.”

Wie ist es mit dem Behörden-Feeling an der Hochschule?

Bevor ich hierherkam, habe ich mich schon gefragt, wie viele Regularien es wohl gibt. Wenn ich mich nicht entfalten könnte, wäre das nichts für mich. Daher fand ich anfangs auch die Befristung meines Vertrags gut. Ich wollte testen, ob der öffentliche Dienst mir überhaupt taugt.

Die IT ist immer noch ein männerdominiertes Berufsfeld.
Wie ist das für Sie?

Frauen werden hier an der Hochschule deutlich gefördert. Deswegen und aus vielen anderen Gründen geht es mir hier prima. Und meine Vizepräsidentin ist ebenfalls eine Frau. Das ist schon etwas Besonderes.

Haben Sie einen Rat, wenn man sich an der Hochschule bewerben möchte?

Man sollte auch auf die befristeten Stellen schauen. Wenn man einmal drin ist, kann man sich auch auf andere Stellen bewerben. So ist es leichter, einen festen Job bei uns zu bekommen.

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