BioFACTORy

Vollautomatisierte, KI-gestützte Herstellung von Bioimplantaten

Die THWS ist Partnerin im neuen EU-geförderten Forschungsprojekt „BioFACTORy", das am 1. September 2026 offiziell gestartet ist. Ziel des Projekts ist es, eine vollautomatisierte, KI-gestützte Plattform für die Herstellung von Zell- und Gewebekonstrukt-Bioimplantaten zu entwickeln, die künftig Patientinnen und Patienten mit Knochendefekten im Kiefer- und Gesichtsbereich helfen sollen.

Worum es geht?

Menschen, die durch Krebs, Infektionen oder Unfälle Knochengewebe im Kiefer- oder Gesichtsbereich verloren haben, könnten künftig von regenerativen Therapien auf Basis körpereigener Stammzellen profitieren. Bislang ist die Herstellung dieser sogenannten mesenchymalen Stamm-/Stromazellen (MSC) jedoch sehr aufwendig, größtenteils manuell und kostet pro Patient über 30.000 Euro – eine breite klinische Anwendung ist damit kaum möglich.

Genau hier setzt BioFACTORy an: Über die kommenden vier Jahre entwickelt ein europäisches Konsortium eine automatisierte Plattform, die „BioFACTORy Suite", die den gesamten Herstellungsprozess abdeckt – von der Zellvermehrung über die Qualitätskontrolle bis zum fertigen Bioimplantat. Ein zentrales Element ist der sogenannte „AI Biologist": ein digitales Assistenzsystem, das auf Basis von Echtzeit-Prozessdaten autonome Entscheidungen trifft und so die Produktion standardisierter, skalierbarer und kosteneffizienter machen soll.

Das Projekt läuft über vier Jahre, wird mit über 8,1 Millionen Euro im Rahmen des Horizon-Europe-Programms der EU gefördert und bringt 14 Partner aus neun europäischen Ländern zusammen, koordiniert von der Universität Bergen (Norwegen). Das offizielle Kick-off-Treffen findet am 21. und 22. September 2026 in Bergen statt.

Die Rolle der THWS

Innerhalb des Konsortiums übernimmt die THWS eine Schlüsselrolle als Partnerin für Dateninfrastruktur und Datengrundlage bei der Entwicklung des „AI Biologist" – dem digitalen Assistenzsystem, das die Qualitätskontrolle bei der Stammzellherstellung automatisiert. Umgesetzt wird dieses Vorhaben an der THWS gemeinsam durch Mitarbeitende des TTZ-KG und des IMES.

Konkret sammelt und annotiert die THWS gemeinsam mit der Universität Bergen (UiB) biologische Bild- und Sensordaten, die als Trainingsgrundlage für die vom King's College London (KCL) entwickelten KI-Modelle dienen; bei der Datenannotation arbeitet sie zudem eng mit der Politechnika Slaska (SUT) zusammen. Darüber hinaus verbindet die THWS gemeinsam mit dem Fraunhofer ISC die automatisierte Produktionsanlage mit der KI-Infrastruktur, sodass Sensordaten und Roboterprozesse in Echtzeit für die künstliche Intelligenz nutzbar gemacht werden. So schaffen TTZ-KG und IMES gemeinsam die technologische Brücke zwischen Labor und künstlicher Intelligenz, die den „AI Biologist" erst praxistauglich macht.

(Foto: AdobeStock_d0d298d5-28bf-4689-b240-392cae0ca4d0)

Über BioFACTORy

BioFACTORy (Fully automated cell and tissue-engineered bioimplant production for orocraniofacial regeneration) wird von der Europäischen Union im Rahmen von Horizon Europe gefördert. Neben der THWS gehören dem Konsortium unter anderem die Universität Bergen (Koordination), die Universität Ulm, die Fraunhofer-Gesellschaft, das King's College London, das Istituto Mario Negri IRCCS, die Universidad Complutense de Madrid, die Universität Barcelona sowie die Unternehmen CELLINK, Ocean TuniCell, F6S, NovaSign GmbH und PreSens Precision Sensing GmbH an.

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