Masterstudiengang Soziale Arbeit auf der DGSA-Jahrestagung
„Autoritäre Verschiebungen des Sozialen. Demokratiefeindliche Entwicklungen und Eingriffe in Kontexten Sozialer Arbeit“: Unter diesem Motto hat die Jahrestagung 2026 der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) stattgefunden. Die beiden Professoren Dr. Ralph-Christian Amthor und Dr. Dieter Kulke von der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften (FAS) der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) begleiteten Studierende des Masterstudiengangs Soziale Arbeit an die Hochschule Niederrhein, die das Event an ihrem Campus Mönchengladbach ausrichtete.
„Das Leitthema der diesjährigen Tagung ist ein wichtiges, weil die Soziale Arbeit und ihre Angebote zunehmend unter Druck seitens rechtspopulistischer und rechtsextremer Kräfte stehen“, erklärt Prof. Dr. Dieter Kulke. Als Beispiele nennt er den Bereich der Demokratiebildung, die Arbeit mit Geflüchteten, Migrantinnen und Migranten, Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen sowie mit queeren Menschen bis hin zu Obdach- und Wohnungslosen.
Zur Vorbereitung auf die Tagung besuchte die studentische Gruppe der THWS ein innovatives Angebot der Jugendhilfe, den Träger „De Kull“, in Mönchengladbach. Der Name „Kull“ verweist auf eine Kuhle, dialektal „Kull“, weil das erste Stadion von Borussia Mönchengladbach am Bökelberg tatsächlich in einer Vertiefung des Bodens lag. Die Arbeit mit Fußballfans ist eine wichtige Aufgabe von De Kull. Weitere liegen in der politischen Bildung und speziell in einem Projekt des Bundesprogramms „Demokratie leben“. Der Geschäftsführer dieser Jugendhilfe stellte die verschiedenen Arbeitsfelder und Projekte den Studierenden auf anschauliche Weise vor.
Auf dem Event nahmen die Studierenden an Keynote-Vorträgen teil, unter anderem zu der „Mitte-Studie“ im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung. Diese zeigt seit der Corona-Pandemie ein zwar zurückgegangenes, aber dennoch stabiles Spektrum an extremen politischen Einstellungen. Nach Einschätzung der Referentin korreliere dies eng mit einer allgemeinen breiten Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung.
Auch Prof. Dr. Vera Taube, ebenfalls von der FAS, engagierte sich auf der DGSA-Tagung. Als Sprecherin der Fachgruppe Promotionsförderung organisierte sie die Vorkonferenz für Promovierende und Promotionsinteressierte in der Sozialen Arbeit sowie ein Panel zu aktuellen Entwicklungen des Promotionsrechts an Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Berlin und Bayern.
Prof. Dr. Dieter Kulke stellte in einem Vortrag mit Prof. Dr. Andrea Dischler von der Katholischen Stiftungshochschule München Ergebnisse einer Befragung von Studierenden der Sozialen Arbeit im ersten Semester an vier kooperierenden Hochschulen vor. Die Ergebnisse zeigen, dass 84,5 Prozent der befragten Studierenden der Aussage, dass Soziale Arbeit einen politischen Auftrag habe, voll und ganz bzw. eher zu. Auch sei bei ihnen die interne politische Wirksamkeit stärker ausgeprägt als in einer Vergleichsgruppe einer allgemeinen Bevölkerungsbefragung. Insgesamt liegen also gute Voraussetzungen vor, um im weiteren Studium Kompetenzen zur Wahrnehmung eines politischen und strukturellen Auftrags Sozialer Arbeit zu entwickeln, ganz im Sinne der Definition Sozialer Arbeit durch den Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit DBSH, so Prof. Dr. Kulke.
Prof. Dr. Amthor präsentierte Ergebnisse aus sozialgeschichtlichen Forschungs- und Erinnerungsprojekten, die in den letzten zehn Jahren durchgeführt wurden und der Fragestellung nachgingen, ob es in und aus der Sozialen Arbeit Widerstand gegen die NS-Diktatur und den damaligen Menschenrechtsverletzungen an Schutzbefohlenen und Verfolgten gegeben habe. Zielsetzung war es, insbesondere den Rettungswiderstand für jüdische Kinder in den europäischen Besatzungszonen und in Deutschland zu skizzieren und damit jene Minderheit zu würdigen, die sich aktiv dem menschenverachtenden NS-Regime in einer Zeit entgegenstellte, in der Begeisterung und aktives Eintreten für ein rassistisches Terrorsystem in der Sozialen Arbeit im Vordergrund standen.
Zum Hintergrund
Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft für Soziale Arbeit und verzeichnet seit Jahren einen deutlichen Zuwachs: Die Zahl der Mitglieder steigt kontinuierlich und hat im Jahr 2026 die Marke von 1.500 Mitgliedern überschritten. Für einen Überblick über wichtige Themen und Forschung in der Wissenschaft der Sozialen Arbeit findet alle zwei Jahre die Jahrestagung der DGSA statt.
Über die THWS
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.
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