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„Science4Girls“: Schülerinnen Perspektiven nahebringen, die Kleinsten in die Welt der Forschung eintauchen lassen

Ungleich verteilte Geschlechterrollen in Wissenschaft und Wirtschaft, ungleiche Bezahlung: Vorträge zu Gleichstellung, Workshops, Vorstellung von Studiengängen und Campusführungen

Waffelduft und großes Gelächter liegt in der Luft: In dieser Atmosphäre sind Schülerinnen der elften Klasse des Gymnasiums und der neunten Klasse der Realschule St. Ursula Würzburg zur „Science4Girls“ an den Campus Sanderheinrichsleitenweg der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) gekommen. Das Event fand im Rahmen der Dachveranstaltung „Science4All“ statt, die neben der „Science4Girls“ in die Teilbereiche „Science4Fem“ und „Science4Gen“ gegliedert war.

Prof. Dr. Christina Völkl-Wolf, Frauenbeauftragte der THWS und ihre Referentin Sonja Ehrenfels begrüßten die rund 160 Mädchen, die zum ersten Mal Hochschulluft schnupperten. Dabei erklärte Prof. Dr. Völkl-Wolf, dass der prozentuale Anteil an Frauen in der Hochschule sinke, je höher die Position sei. „Während es etwa so viele weibliche wie männliche Studierende gibt, sind unter den Promovierenden nur noch 46 Prozent Frauen. Habilitantinnen machen nur noch 37 Prozent aus und als Professorinnen tätig sind sogar nur 29 Prozent des gesamten professoralen Personals.“ Sie betonte die Wichtigkeit der Berufswahl und fragte, wer den Gender Pay Gap kenne – das ist die prozentuale Gehaltslücke zwischen dem durchschnittlichen Bruttoverdienst von Frauen und Männern in Deutschland. „Warum es diesen überhaupt gibt? Weil man zu wenig darüber spricht!“, so Prof. Dr. Völkl-Wolf weiter. „Island hat das geändert – dort verdienen die Berufsfußballerinnen genauso viel wie ihre männlichen Kollegen. Findet ihr das fair?“ Das Ergebnis war eindeutig. Es gehe darum, dass bereits junge Menschen ein Bewusstsein dafür entwickeln.

Science4Girls: Wissenswertes für Mädchen und spannende Workshops

Den Schülerinnen wurden Möglichkeiten für ein Studium oder eine Ausbildung im MINT-Bereich (Mathematik, Informationstechnologie, Naturwissenschaft, Technik) nahegebracht und Studiengänge vorgestellt. Außerdem gab es viele Workshop-Angebote und die Möglichkeit, mit Vertreterinnen und Vertretern regionaler Firmen ins Gespräch zu kommen, die mit Messeständen vor Ort waren. Ein Workshop hatte „Motion Capture & Motion Ballett“ zum Thema. THWS-Promovendin Leonie Laskowitz erklärte Realschülerinnen, wie menschliche Bewegung zu Daten wird. „Wie gestalten wir unsere digitale Welt? Kommunikation, Freizeit, Kunst und Lernplattformen sind voller digitaler Gestaltung“, sagte sie. Auf die Frage, ob die Schülerinnen selbst Tablets nutzen, antwortete eine: „In der Schule teilweise, zuhause immer – aber wir benutzen natürlich auch noch so etwas wie Stift und Zettel.“ Bei der Vorführung einer Jacke, deren Marker menschliche Bewegungen aufnimmt und als digitale Bewegung umsetzt, rief eine Klassenkameradin begeistert: „Das kenne ich von ,Avatar – Behind the Scenesʼ. Ich wusste bis heute nicht, wie das funktioniert!“

Das Seminar von Peter Riegler und Prof. Dr. Tobias Aubele handelte von der Messung von Emotionen im Labor. „Wir können Rückschlüsse darüber ziehen, warum und wie Konsumierende sich verhalten“, erklärt Riegler. Dies funktioniere etwa durch die Computerkamera, die Emotionen wahrnimmt. „Im Bereich E-Commerce beschäftigen wir uns mit allen Formes des Verkaufens über das Internet“. Es entstand ein reger Austausch zwischen den Professoren und den Schülerinnen über Werbung auf Youtube und sogenannten „Shorts“, also kurze (Werbe-)Filme.

Prof. Dr. Volker Willert stellte im Rahmen von „Wie sehen wir unsere Welt“ den jungen Menschen die Aufgabe, eine Persönlichkeit mit möglichst wenig Strichen zu zeichnen. Begleitet von Gelächter stellten sich die Schülerinnen Hürden wie „Du hast meine Idee geklaut!“ oder „Wie würde ein Roboter wohl reagieren, wenn er ich wäre?“ Als „berühmte Persönlichkeit“ wurde zwei Mal ein Lehrer der Klasse gezeichnet. Prof. Dr. Willert hinterfragte: „Warum wurde der Lehrer mit dieser speziellen Geste gemalt?“ Die Schülerinnen antworteten im Chor: „Weil er immer so da steht!“ Konkret ging es darum, anhand weniger Merkmale auf simple Weise zu zeichnen. „So etwas nennt man Kontext – jede von euch sieht diesen Lehrer täglich in der Schule“, erklärt Prof. Dr. Willert. „Die einfache Zeichnung markanter Merkmale zeigt zwei Dinge: Gezeichnete Striche reichen aus, um etwas zu erkennen, aber wir benutzen andere Faktoren für unsere Entscheidung, nämlich das, was wir im Kopf haben – Kontext eben.“

Lego Pixel-Art und mehr Spannendes für die Kleinsten

Eine Grundschulklasse der vierten Jahrgangsstufe der Grundschule Würzburg-Dürrbachgrund war auch mit dabei. Lionel Naviliat, Bachelorstudent der Wirtschaftsinformatik, erklärte den Mädchen und Jungen: „Roboter haben ein Gehirn – das ist die künstliche Intelligenz (KI).“ Alle Kinder meldeten sich freiwillig, den Lego Pixel-Art Drucker testen zu dürfen. Unter Anleitung von Fakultätsmitarbeiterin Anna-Lena Karsten wurden sie selbst zu Pixel-Designerinnen und -designern, indem sie ihr persönliches Pixelart-Kunstwerk auf Papier malten und auf eine Lego-Platte übertrugen. Von Fußballverein-Logos über Erdbeeren bis hin zu Bäumen war alles dabei. „Ich habe mein Bild gemalt und nun zähle ich, wie viele rote, blaue, grüne Legosteinchen ich brauche. Deshalb habe ich das Bild in Kästchen gezeichnet“, erklärt eine Zehnjährige stolz. In der Computerfachsprache nennt man das „Bedarfsanalyse“ – die KI rechnet anhand eines Bildes in Pixeln aus, wie viel Farben dafür gebraucht werden. Neben diesem Mitmach-Workshop gab es für drei andere Gruppen noch „Coding und Sensorik zum Anfassen“ mit klingenden Alltagsgegenständen zum Bau eines berührungsempfindlichen Klavieres, eine Medaillen-Gestaltung mit dem 3D-Drucker sowie die Entdeckung der Welt eines Filmsets, wo die Kinder in verschiedene Rollen einer Filmcrew eintauchen und erleben konnten, wie beim Film Stimmung durch Licht produziert wird.

Weitere Informationen zur Science4All

 

Über die THWS

Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.

 

Kontakt:
Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Frauenbeauftragte

Prof. Dr. Christina Völkl-Wolf

Sanderheinrichsleitenweg 20

97074 Würzburg

christina.völkl-wolf@thws.de

 

Pressekontakt:   
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Angela Kreipl

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