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Wohnen statt Großparkplatz auf der Talavera

01.08.2023 | Pressemeldung, FKV
Studierende des Studiengangs Geovisualisierung an der THWS haben Konzepte für einen neuen Stadtteil Talavera entwickelt

Erst 2022 war die Talavera in aller Munde: Bei einem Bürgerentscheid hatte sich eine Mehrheit für den Fortbestand des kostenfreien Parkens auf dem Würzburger Großparkplatz und Festplatz entschieden. Doch ist ein Grundstück von 47.000 Quadratmetern im Herzen der Stadt nicht viel zu wertvoll nur zum Parken?

Die These ist gewagt. „Doch man muss und darf sie weiterdenken“, sagt Stefan Sauer, Dozent im Studiengang „Geovisualisierung“ an der Technischen Hochschule Würzburg Schweinfurt (THWS). Zumal sich angesichts Wohnraummangels und Klimakrise deutlich mehr Argumente für eine Umnutzung des Großparkplatzes finden als für den Erhalt. Derartige Gedankenspiele kennt man auch bei der Stadt Würzburg: „Natürlich ist die Idee eine Provokation“, sagt Peter Wiegand vom Fachbereich Stadtplanung. Doch der Bürgerentscheid habe „eben nur einen Mini-Aspekt des Problems herausgegriffen“, und es brauche den Mut, weiter zu denken.

Praxisnahe Ausbildung

Im Sinne der praxisnahen Ausbildung gab Dozent Stefan Sauer die Aufgabe an seine Studierenden weiter: Als Teil der projektbezogenen Geovisualisierung im vierten Semester sollten sie ein städtebauliches Konzept für die Talavera entwickeln und dabei die Interessen der Bürger sowie Ökologie, soziale Gerechtigkeit und Zukunftsorientierung berücksichtigen. Von vornherein sei klar gewesen, dass es „nicht einfach ist, die vielen konkurrierenden Nutzungen unterzubringen“, kommentiert Sauer. Dennoch hätten sich die 18 Studierenden tapfer geschlagen und eine Fülle unterschiedlicher Konzepte vorgelegt. Nun wurden die Projektarbeiten unter dem Titel „Ein Stadtteil entsteht – Talavera 2023“ vorgestellt und von den Projektpartnern Architekt Matthias Braun sowie Peter Wiegand und Uwe Kömpel vom Fachbereich Stadtplanung kommentiert.

Die meisten Entwürfe wollen einen Brückenschlag zwischen Wohnen, Gewerbe, Parken und Erholung herstellen. Fast alle wünschen sich mehr Klimafreundlichkeit, mehr Grün, mehr Nachhaltigkeit und moderne Energietechnik. Ein Park für Freizeit, Erholung und Sport – gerne auch an einem Bachlauf oder mit Wasserflächen – taucht fast überall auf. Einige Entwürfe schlagen einen bewussten Grüngürtel-Anschluss vor, bei dem die Talavera als fehlendes Zwischenstück zwischen Ringpark und LGS-Gelände fungiert. Der Parkflächenbedarf wird meist in ein Parkhaus verlagert oder gleich ganz in die Tiefgarage. Wohnraum verwirklichen die Studierenden in unterschiedlicher Intensität und Optik: beispielsweise mit stufenartigen Gebäuden und begrünten Dachterrassen, die sich um das Talavera-Schlössle gruppieren, oder als organische Rundhäuser, als luxuriösen Wohnstandort in einer weitläufigen Parkanlage, als hochverdichtete Wohnkomplexe oder als moderner sozialer Wohnungsbau auf dem Parkdeck.

Entwürfe wecken Sehnsucht

Andere Entwürfe sind inspiriert vom platzsparenden Wabenbau der Bienen oder entwerfen eine Würzburger Version der Kopenhagener „Mountain Dwellings“ mit Tiny Houses auf terrassiertem Gelände. Solche Bilder wecken bei den Stadtplanern Sehnsucht, „sie machen neugierig“, so Wiegand. Einem Entwurf mit Parkhaus und großen Wohngebäuden rund um Grün- und Wasserflächen bestätigt man gar „große Nähe zur Realisierbarkeit“.

Angesichts vieler Kombi-Lösungen erscheinen gerade auch die Arbeiten spannend, die sich für einen Aspekt entscheiden. Während die meisten das Volksfest Kiliani auf die Mainwiesen verlagern, wollen zwei Entwürfe den angestammten Festplatz erhalten und aufwerten. Durch eine Überbauung der Mainaustraße und der Promenaden-Treppen könnte zudem ein Anschluss an die Mainwiesen entstehen. Eine Studentin wagt den Schritt zur autofreien Stadt und erschafft einen „Lebensraum Talavera“ mit Bachlauf, Teich, Wildblumenwiese, Spiel- und Sportplätzen, Kulturangebot und Biergarten. Einen Gedanken wert sind auch überraschende Details in einigen Arbeiten wie die Tiefgarage mit Schaufenstereffekt oder der Aussichtsturm statt Riesenrad.

Für die Betreuer zeigen die Arbeiten „das komplette Portfolio menschlicher Bedürfnisse“. Ob sie real funktionieren, sei „erstmal zweitrangig“. Aber „sie triggern und lösen Reize aus“, so Wiegand. Die Impulse eröffnen für ihn nicht nur „eine komplett andere Perspektive und brechen gewohnte Denkstrukturen auf, sondern lösen vielleicht sogar so manche Diskussion aus“, hofft der Stadtplaner. (Anja Legge)

Die Plakat-Entwürfe sind online unter https://geovisualisierung.com/microsite/talavera2023/ zu sehen.

 

Kontakt:                  

Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Studienbereich Geo

Prof. Dr. Daniela Wenzel

Röntgenring 8

97070 Würzburg

daniela.wenzel[at]thws.de

0931-3511-8904

 

Pressekontakt:      

Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Angela Kreipl

Münzstr. 12

97070 Würzburg

angela.kreipl[at]thws.de

0931 3511-8354