„Komik und Behinderung“ – DFG-Netzwerk-Treffen an der THWS am Campus Münzstraße
Wenn Humor auf Behinderung trifft, entstehen Fragen, die weit über das Lachen hinausreichen. Was auf den ersten Blick zusammen etwas ungewohnt erscheinen mag, gewinnt tatsächlich zunehmend an Bedeutung. Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) war Ort des letzten Arbeitstreffens eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Netzwerks zum Thema „Komik und Behinderung“. Prof. Dr. Dieter Kulke, Leiter des Vertiefungsbereichs Soziale Arbeit an der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften, ist Mitglied im Netzwerk und war zuständig für die wissenschaftliche und organisatorische Gestaltung der Tagung.
In verschiedenen Medien wie Spielfilmen, aktuell zum Beispiel die deutsche Filmkomödie „Das gewisse Etwas“, sowie in Theater und Comedy tritt Behinderung, humoristisch und komödiantisch verarbeitet, immer häufiger in Erscheinung. Eine wichtige Frage ist dabei, wer über wen lacht, wer mit wem eine Lachgemeinschaft bildet, die sich im gemeinsamen Lachen zusammenfindet, und was gesellschaftliche Normen dazu sagen. Dafür ist wichtig herauszuarbeiten, wie die jeweiligen Filme, Stücke und Clips funktionieren und wie sie rezipiert werden. Diese und andere Fragen wurden in dem Netzwerktreffen besprochen.
Keynotes aus Wissenschaft und Praxis
Sarah Marinucci und Sonja Suter stellten online die Arbeit des Komiktheaters in St. Gallen vor. Dort haben Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen die Gelegenheit zu praktischer inklusiver Theaterarbeit. Lennard Davis von der Universität Illinois in Chicago, USA, zeigte, wie klischeehaft und abwertend viele Darstellungen gehörloser Menschen auch in erfolgreichen Komödien sind. Oft sind diese Mechanismen erst bei genauerer Betrachtung zu verstehen: Zum Beispiel sei in vielen Komödien die gezeigte Gebärdensprache unecht. In einer dritten Keynote stellte Manuel Gerst, vielfach ausgezeichneter Theatermacher aus Zürich, seine Arbeit vor. Seine Stücke „Dschingis Khan“ und „Die Verwandlung“ thematisieren Behinderung auf ironisch-subversive Weise und haben viel Aufmerksamkeit bekommen. Daneben stellten auch die Netzwerk-Mitglieder Susanne Hartwig, Adrian Herrera, Katrin Kreuznacht, Mirjam Leuzinger, Anette Pankratz, Soledad Pereyra, Fabian Riemen und Christian von Tschilschke ihre aktuellen Forschungsarbeiten vor.
Der Beitrag der Studierenden im interdisziplinären Netzwerk
Eine Besonderheit des Arbeitstreffens war die Teilnahme der Studierenden des Vertiefungsbereichs an der gesamten Tagung. Mit Vertreterinnen und Vertretern der Sonderpädagogik, der Anglistik, vorwiegend der Romanistik und mit Prof. Dr. Kulke als Vertreter von Sozialer Arbeit und Soziologie ist das Netzwerk interdisziplinär ausgerichtet. „Die Studierenden haben dagegen fast alle umfangreiche praktische Erfahrungen in der Arbeit mit beeinträchtigten Menschen und konnten so deren Perspektive gewinnbringend in der Diskussion zur Sprache bringen“, so Prof. Dr. Kulke.
Als Verbindung zur Praxis führten die Teilnehmenden Workshops durch, in denen den Studierenden die Erkenntnisse der Forschung praktisch vermittelt wurden. Dr. Katrin Kreuznacht, Institut für Sonderpädagogik des Leibniz Instituts in Hannover, zeigte den Studierenden „Close und Wide Reading“ am Beispiel des Films „Rico, Oscar und die Tieferschatten“. Während „Close Reading“ die detaillierte, kritische Analyse eines Einzeltextes meint, um dessen tiefere Bedeutung zu erschließen, umfasst „Wide Reading“ das Lesen vieler verschiedener Texte, um ein breites Wissen und Verständnis für diverse Themen und Perspektiven zu erlangen.
Adrian Herare arbeitete mit den Studierenden an der Analyse von Vulgarität und Aggression in mexikanischen Stand-up-Comedies. Zu einer ganz eigenen Erfahrung für alle Teilnehmenden führte der Clowns-Workshop von Fabian Riemen von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, der Korrespondenzen zwischen Clownspiel und Behinderung aufzeigte.
Über die THWS
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.
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