Bei Aktivieren des Elements werden Sie zur Karriere-Webseite als Mitarbeitende bzw. Mitarbeitender der THWS weitergeleitet

Präsidium statt Hochschule: Schweinfurter THWS-Professor unterstützt Polizei in Unterfranken bei der Digitalisierung

Praxissemester beim Kommissariat für Cybercrime in Aschaffenburg – Ergebnisse für ganz Bayern relevant

Eine Premiere für die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) ebenso wie für die unterfränkische Polizei: Prof. Dr. Andreas Schiffler, Forschungsprofessor am Institut für Digital Engineering der THWS, hat ein Praxissemester beim Polizeipräsidium Unterfranken verbracht. Sechs Monate lang setzte er sein Wissen auf den Gebieten künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung ein, um die täglichen Arbeitsabläufe der Polizei zu optimieren – damit die Polizei weniger Zeit mit Verwaltung und mehr Zeit mit ihren Kernaufgaben verbringen kann.

Von Mitte März bis Ende September unterstützte Prof. Dr. Schiffler insbesondere die Bestandsdaten-Dienste bei der Optimierung und Automatisierung von Arbeitsprozessen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie moderne Technologien und KI den polizeilichen Arbeitsalltag erleichtern können. „Der Austausch mit Andreas Schiffler und sein fachliches Know-how zum KI-Einsatz haben nicht nur die Bestandsdaten-Dienste und das Polizeipräsidium Unterfranken insgesamt, sondern auch jeden Einzelnen von uns deutlich vorangebracht“, fasste Kriminalhauptmeister Christopher Sapp vom Kommissariat Cybercrime Aschaffenburg die gemeinsame Zeit zusammen.

Wissenschaft trifft polizeiliche Praxis

Welcher Mehrwert dabei entsteht, zeigen die während des Praxissemesters erarbeiteten Lösungen, die im Rahmen der Verabschiedung präsentiert wurden. Das Kommissariat für Cybercrime beschäftigt sich nicht nur mit Cyberverbrechen wie beispielsweise der Erpressung von Unternehmen. Die Abteilung ist außerdem Dienstleister für Polizeidienststellen in ganz Unterfranken, wenn es darum geht, Anfragen bei Anbietern digitaler Dienste wie Paypal, Apple, Google oder Meta zu stellen. Diese sogenannten Bestandsdatenauskünfte dienen dazu, z. B. bei Betrugsdelikten die Identitäten von Personen anhand von IP-Adressen, Telefonnummern oder Geräte-Seriennummern zu ermitteln. Jeden Monat werden so im Durchschnitt 750 Anfragen bearbeitet und landen auf den Schreibtischen der Sachbearbeiter.

Das Problem: Die Informationen, die zurückgemeldet werden, kommen je nach Anbieter in ganz unterschiedlichen Formaten an. Mit der Software-Lösung von Prof. Dr. Schiffler werden die erhaltenen Daten nun automatisch übersichtlich aufbereitet. „Am Ende muss eine Information rauskommen, die gerichtsfest und anhand der Daten belegbar ist“, betont Prof. Dr. Schiffler. Die neu eingeführte Umgebung zur automatisierten Datenverarbeitung wird nicht nur für die Auskünfte der Onlinedienste verwendet, sondern auch für die Verarbeitung von Emails, die neben den täglichen Kernprozessen in der Polizeiarbeit entstehen.

So werden beispielsweise die erstellten Rechnungen seitens der Anbieter digitaler Dienste ebenfalls automatisch verarbeitet. Dank eines optimierten Prozesses können nun alle Vorgänge zeitlich effizienter zugeordnet werden. Auch die weitere Bearbeitung der Rechnungen, inklusive Versand von PDF-Anhängen, läuft automatisiert ab. Der Arbeitsaufwand ist enorm, „denn die Anzahl an Anfragen bedeutet nochmal dieselbe Anzahl an Rechnungen“, erläutert Prof. Dr. Schiffler. Das Emailpostfach sei immer gut gefüllt.

Austausch wird fortgesetzt

Für Prof. Dr. Schiffler bedeutete das Praxissemester, ein halbes Jahr lang den Schreibtisch an der THWS in Schweinfurt mit einem Schreibtisch im Aschaffenburger Kommissariat zu tauschen und während dieser Zeit auch nicht im Hörsaal vor Studierenden zu stehen. „Mein typischer Arbeitstag hat aber – wie sonst auch – am Computer stattgefunden. Doch einmal war ich in Schweinfurt mit der Streife unterwegs, am Wochenende in der Nachtschicht.“ So konnte er live erleben, wie die Daten aufgenommen werden, die letztendlich im System der Polizei landen.

Ein Praxissemester einzulegen, steht generell allen Professorinnen und Professoren an der THWS offen, um einerseits die eigenen Kenntnisse aktuell zu halten und andererseits den Transfer ihres Wissens in Industrie, Gesellschaft oder öffentliche Verwaltung zu ermöglichen. In den meisten Fällen finden Praxissemester bei regionalen Kooperationsunternehmen statt. Doch die THWS und das Polizeipräsidium Unterfranken stehen bereits seit vier Jahren in regem Austausch miteinander. Gestartet wurde die Kooperation durch Prof. Dr. Bastian Engelmann von der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen und Polizei-Oberrat Marcus Schmidt von der Schweinfurter Polizei. Sie organisierten studentische Arbeiten, deren Ergebnisse bis heute verwendet und weiterentwickelt werden.

Prof. Dr. Engelmann und Prof. Dr. Schiffler leiten aktuell das Projekt Datenintelligenz in der IT für kleine und mittelständische Unternehmen, kurz DIG:IT-KMU, in dessen Rahmen auch dieses Praxissemester stattfand. Das Projekt unterstützt sowohl Unternehmen wie auch Behörden bei den Herausforderungen durch sich rasch entwickelnde KI-Technologien. Während seines Praxissemesters sorgte Prof. Dr. Schiffler nicht nur für die Optimierung von Arbeitsabläufen, sondern gab auch eine Fortbildung zu künstlicher Intelligenz, die für künftige Mitarbeitende über das Intranet der Polizei verfügbar sein wird. Den größten Einfluss auf die tägliche Polizeiarbeit haben aber die neuen Arbeitsabläufe – sie sollen bis Ende 2027 in ganz Bayern ausgerollt werden.

Über DIG:IT-KMU

Das Projekt DIG:IT-KMU am Institut für Digital Engineering der THWS unterstützt Unternehmen bei der digitalen Transformation. Durch gezielten Technologietransfer werden KMU befähigt, innovative Technologien sicher und effizient in ihre Geschäftsprozesse zu integrieren. Weitere interessierte Unternehmen aus der Region können sich dem Projekt jederzeit anschließen und eigene Anwendungsfälle einbringen.

Das Projekt wird im Rahmen des EFRE Bayern 2021–2027 durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert, kofinanziert von der Europäischen Union.

Weitere Informationen zu DIG:IT-KMU

 

Über die THWS

Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.

 

Kontakt:
Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Projekt DIG:IT-KMU

Prof. Dr.-Ing. Andreas Schiffler

Prof. Dr.-Ing. Bastian Engelmann

Ignaz-Schön-Str. 11

97421 Schweinfurt

digit.kmu[at]thws.de

09721 940-7058

 

Pressekontakt:  
Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Angela Kreipl

Münzstr. 12

97070 Würzburg

angela.kreipl[at]thws.de

0931 3511-8354