Wissen in Bewegung – Innovation Day 2026
Künstliche Intelligenz, Automatisierung und die Frage danach, wie aus neuen Technologien konkrete Nutzen entsteht: Das waren Themen des Innovation Day 2026, zu dem rund 170 Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft an die Julius-Maximilians-Universität (JMU) kamen. Prof. Dr. Jan Schmitt, Vizepräsident für Forschung und Gründung der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS), machte den Auftakt gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Bode (JMU), Vizepräsident für Innovation und Wissenstransfer, Dr. Stefan Möhringer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt, sowie Bettina Gardenne, Geschäftsführerin der Region Mainfranken GmbH.
Die Rolle der Hochschulen für die Region
Die THWS ist seit jeher eng mit der regionalen Wirtschaft verbunden. Durch die Einrichtungen von Technologietransferzentren (TTZ) in inzwischen sechs Landkreisen neben den zehn bestehenden Instituten wurde diese Vernetzung weiter gestärkt. Auch die JMU trägt mit ihrer Forschung zu zentralen Zukunftsthemen wesentlich zur Innovationskraft Mainfrankens bei. Darüber hinaus stärkt sie mit jährlich rund 5.000 Absolvierenden das Fachkräftepotenzial der Region. Für die Unternehmen ergeben sich daraus vielfältige Anknüpfungspunkte: Abschlussarbeiten, Praktika und gemeinsame Forschungsprojekte fördern den Austausch mit den Hochschulen und helfen dabei, Fachkräfte zu gewinnen und in der Region zu halten. „Gerade in turbulenten Zeiten brauche es starke Hochschulen, innovative Unternehmen und vor allem Zusammenarbeit“, so Bettina Gardenne. Der Innovation Day der Region Mainfranken GmbH sollte dafür den Raum bieten – mit einem vielseitigen Vortragsprogramm, moderiert von Johannes Keppner, und reichlich Möglichkeiten zum Netzwerken.
Von der Forschung in die Praxis
Insbesondere der Campus Angewandte Forschung (CAF) der THWS versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Dr. Christian Lengl, Leiter des CAF, machte beim Innovation Day deutlich, dass Kooperationen nicht nur Forschung ermöglichen, sondern Unternehmen dabei helfen sollen, gewonnene Erkenntnisse tatsächlich nutzbar zu machen.
Wie aus einer Fragestellung eine konkrete Kooperation werden kann, demonstrierte Dr. Iris Zwirner-Baier vom Servicezentrum Forschung und Technologietransfer der JMU. Unternehmen finden dort Zugang zu einem breiten Kompetenzspektrum – von Forschung und Förderung über Patente und Verwertung bis hin zu Gründungen und Start-ups.
Automatisierung braucht einen guten Rahmen
Prof. Dr.-Ing. Andreas Schiffler, Leiter des Instituts für Digital Engineering der THWS, richtete den Blick auf die Automatisierung digitaler Prozesse. „Wer KI sinnvoll einsetzen will, muss zunächst seine eigenen Abläufe verstehen“, verdeutlichte er. Dafür seien dokumentierte Prozesse und klar definierte Schnittstellen entscheidend – Systeme sollten miteinander kommunizieren können. Dabei dürfe allerdings der entscheidende Blick auf Datenschutz und Datensouveränität nicht fehlen: Wo werden Daten verarbeitet? Wie lange gespeichert? Wer hat Zugriff? Und welche Abhängigkeiten entstehen durch einzelne Systeme? Gleichzeitig brauchten Mitarbeitende die Freiheit, ihre Prozesse selbst weiterzuentwickeln.
Künstliche Intelligenz: Werkzeug, Mitspieler oder Entscheidungshilfe?
Prof. Dr. Alicia Schenk (JMU) nahm das Verhältnis von Mensch und KI auf dem Arbeitsmarkt in den Blick. KI könne beobachten, beraten oder als Mit- beziehungsweise Gegenspieler fungieren – und das gelte nicht nur für Routineaufgaben. Besonders interessant werde es dort, wo Menschen und Algorithmen gemeinsam Entscheidungen treffen. Als Beispiel nannte Prof. Dr. Schenk durchgeführte Experimente, um Lügen zu identifizieren und Fähigkeiten der KI in der Stabilisierung der Zusammenarbeit von Gruppen zu beleuchten. Auch seien Studien erhoben worden, bei denen ein Algorithmus aktiv an Personalentscheidungen beteiligt gewesen sei. Sollten hier nur Sachkriterien wie Lebenslauf und Eignung auf dem Papier zum Tragen kommen, oder sollten auch Sympathien eine Rolle spielen? Diese Fragen seien Teil der Studie gewesen. Die verhaltensökonomischen Experimente hätten gezeigt, dass menschliche Intuition nicht automatisch überlegen sei. Vielmehr könnten algorithmische Systeme in bestimmten Situationen andere, teilweise konsistentere Ergebnisse liefern. Die Frage der Zukunft sei, wie Mensch und Maschine sinnvoll zusammenspielen könnten.
Vom KI-Modell zum produktiven System
Prof. Dr. Christoph Flath (JMU) zeigte, warum Unternehmen beim Einsatz von KI nicht allein auf das Modell schauen sollten. Entscheidend sei das System – das sogenannte „Harness“ aus Anweisungen, Schnittstellen und Prüfsegeln. „Ohne diesen Rahmen bleibt KI schnell bei Strg+C und Strg+V stehen.“ Mit einem gut definierten System könne vorhandenes Prozesswissen zum entscheidenden Vorteil werden: Standards, Ausnahmeregeln und Erfahrungen würden zum Input, während die KI Routineaufgaben übernehme. Für Unternehmen bedeute das: klein anfangen. Eine häufige, klar umrissene und prüfbare Aufgabe auszuwählen, Standards definieren, Eskalationen festlegen und anschließend messen, was die Lösung tatsächlich bringe.
Wenn Innovation konkret wird
Wie Forschung und Wirtschaft gemeinsam an praktischen Lösungen arbeiten können, erläuterte Michael Rager von der F.S. Fehrer Automotive GmbH. In Kooperation mit Hochschulen wurden unter anderem Roboterlösungen für biegeschlaffe Bauteile, die automatisierte Zuordnung von Anlagen und die Ermittlung von Kapazitätsbedarfen untersucht. Dabei seien sowohl klassische regelbasierte Verfahren als auch Machine Learning zum Einsatz gekommen. Die Ergebnisse hätten vor allem eines gezeigt: Nicht jedes Problem brauche KI. Wissenschaftliche Zusammenarbeit könne helfen, die Methode zu finden, die tatsächlich zur jeweiligen Aufgabe passt.
Ausprobieren und Mitmachen
Nach den allgemeinen Vorträgen konnten die Teilnehmende des Innovation Day aus sieben unterschiedlichen Masterclasses jeweils zwei Themen auswählen und gezielt vertiefen. Die Inhalte reichten vom Wissensmanagement über Forecasting bis zu Robotik inklusive Laborführung in der JMU. Ergänzend standen Mitarbeitende des New-Space-Netzwerks und des mainfränkischen Clusters MIND als Ansprechpersonen zur Verfügung. Bei der anschließenden „Expedition Hubland“ wurde der Blick auf das regionale Innovationsökosystem gelenkt. Drei Stationen zeigten, wie eng Stadtentwicklung, Gründung, Forschung und Technologie miteinander verbunden sind: vom entstehenden Stadtteil über das Gründerökosystem bis zu den Innohubs als Heimat für Technologieunternehmen.
Beim abschließenden Netzwerken entstand weiterer Austausch und Vernetzung, denn genau darum ging es beim Innovation Day 2026: Innovation entsteht nicht allein durch neue Technologien. Sie entsteht dort, wo Menschen ihr Wissen teilen, Fragen stellen und gemeinsam Lösungen entwickeln.
Über die THWS
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.
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